Zaunbau für wolfsabweisenden Herdenschutz
Bericht von Birte Hildebrandt
Am 14. April nahm ich an einem Zaunbaukurs in der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau in Iden, Sachsen-Anhalt teil. Diese Kurse werden dort zweimal im Jahr angeboten, sind kostenlos und für förderungsberechtigte Tierhalter*innen ist die Teilnahme Voraussetzung für die Bewilligung eines Förderantrags. Wir Hobbyhalter*innen sind derzeit zwar von jeglicher Förderung ausgeschlossen, dennoch ist der Besuch dieser Veranstaltung auch für uns überaus interessant und lehrreich. Denn auch Zaunbau mit eigenen finanziellen Mitteln sollte ja möglichst optimal dem Schutz unserer Tiere dienen und dafür haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesamtes und des dort ebenfalls ansässigen Wolfskompetenzzentrums viele nützliche Tipps auf Lager.
Der Tag begann mit zwei Vorträgen durch einen Mitarbeiter des Landesamtes und den Leiter des Wolfskompetenzzentrums, in denen es allgemein um Zaunarten und ihre Verwendung für die unterschiedlichen Weidetiere ging. Der Leiter des Wolfkompetenzzentrums erläuterte statistische Daten zur Entwicklung der Wolfspopulation in Sachsen-Anhalt und ging auch auf das Lernverhalten von Wölfen ein und welche „Fehler“ der Mensch nicht machen sollte, um Wölfe nicht versehentlich unerwünschtes Verhalten zu lehren. Darüberhinaus wurden auch Fragen zur Antragstellung für Förderanträge beantwortet.
Nach einem schmackhaften Mittagessen in der Kantine des Landesamtes ging es raus in die „Zaunbauschule“. Dort war auf einem Stück Grünland alles an Zäunen und Toranlagen aufgebaut, was der Handel zu bieten hat. Vom Festzaun mit Holzpfählen bis zum mobilen Hütenetz zum Abrollen vom Auto war alles dort, ebenso Drähte, Litzen und Bänder in unterschiedlichsten Ausführungen und Farben, Torlösungen und Erdungspfähle. Die 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden hier in drei Kleingruppen aufgeteilt, die von jeweils einem Mitarbeiter durch die verschiedenen Stationen geführt wurden, wo intensiv über Vor- und Nachteile jedes Zauns gesprochen wurde, Fragen gestellt werden konnten und auch Erfahrungen mit den anderen Teilnehmenden ausgetauscht werden konnten.
Besonders spannend war hier der Einsatz eines „Tiersicht-Gerätes“, mit dessen Hilfe die Teilnehmenden ausprobieren konnten, wie Rinder und Pferde Farben wahrnehmen. Überraschendes Ergebnis: meine hellrote Regenjacke erschien durch das Gerät dunkel grau-braun, die blauen Litzen und Bänder am Zaun hingegen leuchteten strahlend blau und waren super gut sichtbar.
An einer anderen Station war ein kompletter Pferch für Schafe aufgebaut, mit Netzzaun und Weidezaungerät, allerdings waren ein paar Fehler in die Anlage eingebaut worden, die es galt, aufzuspüren und zu benennen. An einer weiteren Station ging es ausschließlich um das Thema Erdung von Weidezäunen. Hier wurde erklärt, wie eine gute Erdung installiert wird und wie man prüft, ob sie ausreichend ist.
Am Ende wurde allen Teilnehmenden eine Teilnahmeurkunde ausgehändigt.
Ich habe von diesem Kurstag sehr viele Informationen mitgenommen und die Erkenntnis, dass der beste (teure) Zaun nicht wirkungsvoll ist, wenn beim Aufbau und Betrieb (vermeidbare) Fehler gemacht werden. Von den 18 Teilnehmenden an diesem Tag war ich die einzige Pferdehalterin. Das ist schade, dass so ein gutes und kostenloses Angebot von Pferdehalter*innen nicht angenommen wird. Ich würde jeder und jedem dazu raten! Auch hier gilt, lebenslanges Lernen dient dem Wohl unserer Tiere!
Es wird in diesem Jahr im Oktober noch einmal so ein Kurstag angeboten werden und danach im Frühjahr 2027. Die genauen Termine stehen leider noch nicht fest, wir werden sie bekannt geben, sobald das Landesamt uns welche mitgeteilt hat.
